Sie lieben ihr altes Schmuckstück und meist darf ihnen nichts zu nahe kommen: Fans von Oldtimern sind besonders vorsichtig mit dem Umgang ihres Klassikers. Ob nur 20 oder ganze 70 Jahre alt – solch ein altes Prachtstück ist dennoch nicht vor Rost, Lackschäden oder Schmutz gefeit. Auch ein Oldtimer muss repariert und gereinigt werden. Klug ist, wer sich hier auskennt und weiß wovon die Rede ist, wenn es um Oldtimer-Lacke geht. Der Wert eines jedes Autos erhöht sich sowohl mit intaktem Lack, als auch mit dem Originalfarbton, in dem der Wagen einst lackiert war.

 

So originalgetreu wie möglich? Die Entwicklung der Lacke

Früher war alles besser. Das trifft jedoch nicht unbedingt auf die Lacke der alten Autos zu. Denn gerade bei sehr alten Lacksystemen wurden oft hochgiftige Schwermetalle eingesetzt, die heute undenkbar wärenVW-Bus reinigen und mit nur wenigen Ausnahmen verboten sind. Im Laufe der Automobilentwicklung haben sich natürlich auch die Lacke entwickelt. Insgesamt ist die Geschichte des Lacks über 2600 Jahre alt. In Verbindung mit dem Automobil kann er aber erst seit dessen Entwicklung gebracht werden. Die Entwicklung des ersten Autos wird Carl Benz zugeschrieben – 1886 mit dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 1. Jedoch 1863 machte bereits eine Frau die erste Spritztour in einem ähnlichen Wagen: Étienne Lenoir im Hippomobil. Historiker argumentieren zudem, dass der Lothringer Nicolas Joseph Cugnot bereits 1769 den ersten Dampfwagen entworfen hatte. Autolacke kamen erst 1910 ins Spiel. Die Karosserien wurden im Laufe der Zeit mit veränderten Materialien lackiert.

 

  • ab 1910: Leinöl und Terpentinöl
  • ab 1918: Kolophoniumlacke
  • Anfang 1920er: Nitrozellulose-Lacke
  • Ende 1920er: Alkydharzlacke
  • Ende 1940er thermoplastische Autolacke (TPA)
  • 1980er und 90er: Zwei-Komponenten-Acrylharzlacke
  • Jahrtausendwende: wasserlösliche Acryllacke (2K) mit Klarlackschicht auf minimaler Lösemittelbasis (1K)

 

Die ersten Autos bekamen eine Schicht aus sogenanntem Kutschenlack. Das waren Öllacke, die auf Leinölbasis hergestellt werden mussten. Ein mühsames Verfahren, denn es wurden viele Schichten in Handarbeit aufgetragen und das Trocknen konnte bis zu einer Woche dauern – bei einer Schicht. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurden spritzfähige Lacke entwickelt. Die Lackierung dauerte nun nur noch 15 Stunden. Doch die Nitrozellulose-Lacke waren nicht besonders robust und hielten schlecht. Daher war es nur eine Frage der Zeit, dass diese Lacke von Alkydharzlacke abgelöst wurden – diese waren beständiger und das Auftragen dauerte nur noch vier Stunden. In Amerika wurden in den 50er Jahren thermoplastische Autolacke verwendet. Dieser zeichnet sich vor allem durch den speckigen Glanz aus, war jedoch nicht besonders hitzebeständig. Er schaffte den Sprung nicht nach Deutschland, nur zu Opel nach Belgien. Hierzulande kamen in den 80er Jahren die 2-Komponenten-Acrylharzlacke auf. Sie trockneten noch schneller und waren besonders robust gegen Regen, Steinschlag und UV-Strahlen. In den 90er Jahren bestimmte dann auch der Umweltgedanke die Welt der Autolacke. Wasserlösliche Acryllacke wurden von nun an bevorzugt und bis heute verwendet.

 

Restaurierung: Heute eingesetzte Lacke

Restaurierung PorscheWer einen Oldtimer besitzt, muss also nach dem Herstellungsdatum schauen, welche Lack sein Schmuckstück ziert. Wieder aufgebaute Wagen jedoch haben meist die letzte Variante – wasserlösliche Acryllacke. Denn die heutige Gesetzgebung erlaubt vor allem aus umwelttechnischen Gründen die alten Autos nicht mit alten Lacken zu beschichten. Daher sind oft Verfahren und Produkte im Einsatz, die die alten Lacke hervorragend imitieren. Oft wird mit Messgeräten die originale Farbmischung des Oldtimers ermittelt, der getreu nachgebildet werden kann. Es kommt also eher auf den Farbton an, als das Lackverfahren, das verwendet wird. Dieser kann auch mit der Fahrzeug-Identitätsnummer ermittelt werden, denn hier ist meist der Farbcode verzeichnet.

Reinigung alter Schätze: Von Wasser bis zu eisgekühlte Methoden

Bei der Reinigung eines Oldtimers kommt es daher darauf an, ob der Lack wieder hergestellt wurde oder noch Originalcharakter hat. Bei Ersterem sind keinerlei Befürchtungen berechtigt, denn die aktuell verwendeten Lacke sind deutlich robuster als die älteren Varianten. Meist steht eine gründliche Autowäsche zu Beginn, um den groben Dreck zu entfernen. Danach sollte mit einer Knetmasse Ablagerungen beseitigt werden. Auch sollten besser nur auf die sensiblen Lacke abgestimmte Produkte verwendet werden.

In vielen Fällen wird bei der Reinigung von Oldtimer-Lacken auch zu trockenen Verfahren geraten – vor allem bei originalgetreuen Varianten. Eine Alternative zum Waschgang ist die Trockeneisbehandlung. Mit der Autoreinigungeisgekühlten Variante werden gerade Oldtimer optimal gereinigt. Kohlendioxidgas wird auf etwa 78 Grad unter Null abgekühlt und anschließend auf die Oberfläche des Oldtimers geschossen. Durch das gefrorene Gas werden die Schmutzpartikel augenblicklich ebenfalls gefroren. Die Oberfläche verliert an Haftung für den Dreck und er fällt einfach ab. Das ist eine der schonendsten Methode, Autos zu reinigen, und ist daher für empfindliche Oldtimer die beste Variante. Ebenso wird durch die Trockeneisreinigung die Umwelt geschont. Wer unsicher mit seinem Schätzen ist, begibt sich am besten in die Hand eines Profis. Denn hier weiß der Beauftragte um die Feinheiten des Oldtimers.

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