Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Sandstrahltechnik zur Bearbeitung von Oberflächen erfunden. Am 1. August 1879 wurde in England das erste Patent für diese Technik eingereicht. Von Anfang an war dieses Verfahren zur Reinigung von Flächen, Fassaden und Häusern eingesetzt. Einige Jahrzehnte später kam jedoch ein weiteres Verfahren hinzu, dass deutlich schonender ist. Doch die Reinigung mit Trockeneisstrahlen ist längst nicht eine Erfindung des neuen Jahrtausends. Schon 1950 setzte das amerikanische Militär dies zur Reinigung und Entlackung von Flugzeugen ein. Trockeneisreinigung ist somit älter als so mancher vermuten mag. Doch in der industriellen Reinigung macht es erst seit kürzerem den Sandstrahlen Konkurrenz. Was ist also der Unterschied zwischen beiden Verfahren?

 

Knallhart abrasiert: So funktioniert das Sandstrahlverfahren

Bei diesem Verfahren werden Strahlmittel auf die Oberfläche geschossen. Das kann Sand sein, aber nicht immer wird dieser eingesetzt. Auch Granulate, Korund oder Glasperlen werden hier verwendet. Diese werden mit Luft durch einen Druck auf die Oberfläche geblasen. Durch den Druck entsteht ein Schleifeffekt, der die Oberfläche verändert. Der Fachmann spricht hier von abrasivem Verfahren. Das eingesetzte Schleifmittel hängt vom gewünschten Ergebnis ab. Mit den Sandstrahlen können Motoren, Maschinen, Anlage, Fassaden, Naturstein und Beton gereinigt werden. Sie entfernen Farbe und Lacke ebenso wie Rost und mattieren Glas und Edelstahl. Der Vorteil dieser Reinigungsmethode: Die Reinigung ist für viele Materialien und Oberflächen geeignet und es werden keine weiteren Chemikalien eingesetzt. Jedoch sind auch chemische Reinigungslösungen möglich! Doch die Sandstrahlen haben auch einen Nachteil: Zum einen entsteht Abfall, der kostenpflichtig entsorgt werden muss. Auch der sich bildende Staub ist für die Gesundheit gefährlich. Zudem wird die Oberfläche immer verändert!

 

Eiskalt sauber – so funktioniert Trockeneisstrahlen

Das Prinzip der Strahlenmethode wird auch bei Trockeneis umgesetzt. Nur hier kommen bei der Entfernung von Farbe, Lacke, Öl, Fette und Schutz eben Trockeneis zum Einsatz. Das ist ein Kohlenstoffdioxid bei minus 79 Grad Celsius. Statt abrasiv wirkt dieses Verfahren eiskalt. Das Trockeneis geht beim Auftreffen auf die Oberfläche in seinen ursprünglichen, gasförmigen Zustand über. Der Schmutz zieht sich währenddessen durch die Kälte zusammen, wird spröde und kann so nicht mehr an der Oberfläche hängen bleiben und fällt ab. Somit bleibt nur der Dreck bei der Reinigung als Abfall übrig.

Der Vorteil dieses Verfahrens liegt vor allem in der schonende Handhabung. Während Sandstrahlen die Oberfläche verändern, tut dies Trockeneis nicht. Das macht dieses Verfahren besonders einsatzfähig in vielen Bereichen: Klinkerfassaden reinigen, Automobilindustrie,  auf dem Bau und in der Gebäudesanierung, in der Chemiebranche, der Elektroindustrie, Dachziegel reinigen, bei Entsorgungsbetrieben und in Gießereien. Auch in Kraftwerken, in der Kunststoff-, Lack- und Farbindustrie, bei Lebensmitteln, in der Textilindustrie sowie auch bei Flugzeugen und Schiffen findet sich dieses Verfahren.

 

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

 

  Trockeneis Sandstrahlen
Oberfläche wird nicht beeinträchtigt wird verändert
Abfälle lediglich Schmutz Sekundärabfälle möglich
elektrisch leitend nein Nein
giftig nein möglich
Wirksamkeit sehr gut gut

 

Ein weiterer wichtiger Unterschied der Trockeneisreinigung ist der wirtschaftliche Aspekt. Die Reinigung ist nicht nur sauberer und kostengünstiger, auch verursacht sie keine Stillstandzeiten beispielsweise bei Maschinen. Sie können in vielen Fällen im montierten Zustand gereinigt werden – eine Trocknungszeit entfällt ebenfalls.

Doch auch die Trockeneisreinigung hat ihre Grenzen: Rost kann nur oberflächlich entfernt werden, eine Nachbehandlung mit Sandstrahlen wird notwendig. Korrosion an Aluminium, Verfärbungen (zum Beispiel oxidierte Metalle) und nikotinhaltige Schutzanstriche können ebenfalls nicht entfernt werden.

 

Fazit: Trockeneis schonender, aber Sandstrahlen nicht überflüssig

Die Unterschiede zeigen, dass die Reinigung mit Trockeneis deutlich schonender und auch umweltfreundlicher ist. So kann sie in Bereichen eingesetzt werden, in denen die Sandstrahlen zu viele Schäden anrichten würden: bei der Reinigung von Oldtimern beispielsweise. Auch ist es von Vorteil, dass Maschinen nicht auseinander gebaut werden müssen. Aber an anderer Stelle stößt das Trockeneis auch an seine Grenzen. Bei Rost und Verfärbungen muss auf andere Strahlverfahren zurückgegriffen werden. Somit haben beide Verfahren ihre Existenzberechtigung und der Einsatzort und Grund entscheidet über die Wahl der richtigen Methode.

 

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Sandstrahlen: httpsstock.adobe.comdestock-photosandblasting3991001